Außergewöhnliche Belastungen

Kosten der privaten Lebensführung sind grundsätzlich bei der Ermittlung des steuerpflichtigen Einkommens nicht abzugsfähig. Davon bilden außergewöhnliche Belastungen eine Ausnahme.

 

Voraussetzungen für die Abzugsfähigkeit:

 

1. Außergewöhnlich

Die Aufwendungen müssen höher sein als die Mehrzahl von Steuerpflichtigen mit gleichen Einkommens- und Vermögensverhältnissen.

 

2. Zwangsläufig

Zwangsläufigkeit ist gegeben, wenn sich der Steuerpflichtige dem Aufwand aus tatsächlichen, rechtlichen oder sittlichen Gründen nicht entziehen kann. Dies ist nicht der Fall, wenn Belastung nur in Folge eines freiwilligen Verhaltens ist (z.B. freiwillige vertragliche Verpflichtung)

 

3. Selbstbehalt

Der Aufwand muss die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit wesentlich beeinträchtigen. Zu diesem Zweck wird von den beantragten Aufwendungen ein Selbstbehalt in folgender Höhe abgezogen:

Jahreseinkommen

 

Bis € 7.300,--

Bis € 14.600,--

Bis € 36.400,--

Bis € 36.400,--

 

 

6 %

8 %

10 %

12 %

Der Selbsbehalt verringert sich um je einen Prozentpunkt für Alleinverdiener/-erzieher und für jedes Kind

Kein Selbstbehalt ist abzuziehen bei

 

1. Körperbehinderung

Personen deren Erwerbsfähigkeit durch körperliche oder geistige Behinderung zu mindestens 25 % vermindert ist, können entweder die tatsächlichen Kosten (Anrechnung des Pflegegelds) oder pauschale Freibeträge geltend machen.

 

2. Auswärtiger Berufsausbildung von Kindern

Aufwendungen für die Berufsausbildung von Kindern außerhalb des Wohnortes gelten dann als außergewöhnliche Belastung, wenn im Einzugsbereich des Wohnortes (bis 80 km) keine entsprechende Ausbildungsmöglichkeit besteht. Bei Internatsunterbringung genügt bereits eine Entfernung von 25 km.

Voraussetzung ist zielstrebiges Bemühen des Kindes, das Ausbildungsziel in angemessener Zeit zu erreichen. Die außergewöhnliche Belastung wird in diesem Fall durch einen Pauschalbetrag von monatlich € 110,-- (€ 1.320,-- jährlich) berücksichtigt; höhere Aufwendungen können auch bei Nachweis nicht abgesetzt werden.

 

3. Kinderbetreuungskosten für Kinder bis 10 Jahre

Höchstbetrag € 2.300,-- pro Kind und Kalenderjahr (einschließlich des Jahres, in dem das Kind das 10. Lebensjahr vollendet). Die Kosten müssen unmittelbar an eine Kinderbetreuungseinrichtung (z.B. Kindergarten, Kindergrippe) oder eine pädagogisch qualifizierte Betreuungsperson (Ausbildung zur Kinderbetreuung und Kindererziehung im Mindestausmaß von 8 Stunden) gezahlt worden sein. Welche Ausbildung diese Voraussetzungen erfüllt, wird auf der Homepage des Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie und Jugend (www.bmf.gv.at) veröffentlicht.

 

Grundsätzliches:

 

Außergewöhnliche Belastungen sind von Amts wegen zu berücksichtigen. Damit die Behörde jedoch überhaupt von den Aufwendungen Kenntnis erlangt, wird ein entsprechender Antrag erforderlich sein.

 

Die Ausgaben müssen im betreffenden Jahr tatsächlich geleistet worden sein. Wird für die außergewöhnliche Belastung ein Darlehen aufgenommen, so sind erst die Rückzahlungsraten (einschließlich Zinsen) absetzbar.

 

Die Aufwendungen müssen das laufende Einkommen belasten. Die Hingabe bereits vorhandener Vermögensgegenstände bewirkt keine Steuermäßigung gem. § 34 EStG.

 

Beispiele für außergewöhnliche Belastungen (mit Selbstbehalt):

 

• Altersheim

• Begräbniskosten

• Bürgschaft

• Hausgehilfin, Kindermädchen: Die Beschäftigung einer Hausgehilfin ist nur dann zwangsläufig, wenn kein Ehegatte in der Lage ist, die Betreuung der Kinder zu übernehmen (z.B. wenn beide Elternteile bei sonstiger Existenzgefährdung einem Beruf nachgehen müssen) oder wenn eine alleinstehende Person wegen Krankheit oder Pflegebedürftigkeit einer ständigen Betreuung bedarf.

• Krankendiätverpflegung: Bei länger andauernden Krankheiten, bei denen die Einhaltung einer Diät erforderlich ist, können Mehraufwendungen abgesetzt werden, die im Vergleich zu einer „normalen“ Ernährung anfallen (Glaubhaftmachung genügt).

• Aufgrund einer Verordnung der BMF können aber auch ohne jeden Nachweis über die Höhe (lediglich die Art der Erkrankung und die Notwendigkeit der Diät ist durch entsprechende ärztliche Atteste nachzuweisen) abgesetzt werden:

 

Bei TBC, Zuckerkrankheit, Aids, Zöliakie € 70,-- monatlich

 

Bei Gallen-, Leber- oder Nierenkrankheiten € 51,-- monatlich

 

Bei Magenkrankheit € 42,-- monatlich

 

Bei anderen inneren Krankheiten € 42,-- monatlich

 

Ein Selbstbehalt kommt nicht zum Abzug, wenn durch die Krankheit eine Minderung der Erwerbsfähigkeit um mindestens 25 % eingetreten ist.

 

Krankheitskosten:

 

Aufwendungen, die durch eine Krankheit verursacht werden, sind auf jeden Fall außergewöhnlich und zwangsläufig, auch wenn sie durch eigene Schuld verursacht worden sind (z.B. Alkoholismus, Nikotinmissbrauch, Rauschgift).

 

Abzugsfähig sind die Kosten für die Heilbehandlung, nicht jedoch für die Vorbeugung (Fitnessgeräte u.Ä.). Bei Vorliegen einer Krankheit sind insbesondere folgende Kosten, die der Heilung, Besserung oder Erträglichmachung einer Krankheit dienen (soweit sie nicht von der Krankenversicherung bezahlt oder ersetzt werden), absetzbar:

 

• Arzt- und Krankenhaushonorare

• Medikamentenkosten, Rezeptgebühren

• Zahngold, Zahnersätze aller Art

• Heilbehelfe (Brillen, Hörgeräte, Prothesen etc.)

• Fahrtkosten zum Arzt oder ins Spital

• Kosten für Begleitpersonen bei Behandlung von Kindern

• Kosten für Ferngespräche mit der Familie bei längerem Krankenhauaufenthalt (soweit sie das übliche Ausmaß nicht übersteigen)

• Kurkosten, wenn Kur zur Anwendung eines anerkannten Heilverfahrens dient und ärztlich verordnet wurde

• Krankheitskosten im Zusammenhang mit einer Behinderung

• Psychotherapie

 

Nicht absetzbare „Krankheitskosten“:

 

• Kosten zur Vorbeugung gegen Krankheiten

• Verhütungsmittel

• Kosten für Kinderwunschbehandlung

• Verjüngungs- und Frischzellenkuren

• Schönheitsoperationen (außer bei schwerer psychischer Belastung)

• Pilgerfahrten nach Lourdes

• Besuche bei Wunder- und Geisterheilern, Voodoo- Zauberern

• Kosten für medizinische Fachliteratur

• Trinkgelder ans Krankenhauspersonal

• Privatchauffeur eine Blinden

• Erholungsurlaubsreisen

• Anschaffung einer Geschirrspülmaschine wegen Erkrankung der Gattin

• Anschaffung eines PC für Schriftverkehr mit Krankenhaus

• Sportausübung ohne konkreten therapeutischen Zweck

• Kosten für Geburt in der Sonderklasse (außer bei triftigen medizinischen Gründen, z.B. konkreter Gefahr von Komplikationen)

 

Zahnregulierung:

 

Diese Kosten gehören grundsätzlich zu den Krankheitskosten und sind daher abzugsfähig.

Mag. Sandra Lamplmayr | Steuerberater und Wirtschaftstreuhänder

Am Hohlweg 7 | 4221 Steyregg

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